Sybj Erdnuss - The Nomad

Geplant war es nicht. Viele grössere und kleinere Entscheidungen über die letzten Monate und Jahre haben mich dazu gebracht. Zum Nomadenleben. Die Entscheidungen die Ausbildung zur Outdoor Guide zu absolvieren, meinen Job und meine Wohnung zu kündigen, meinen materiellen Besitz zu reduzieren, mehr Zeit mit Dingen zu verbringen, die mir guttun und mit leichtem Gepäck durch die Welt zu gehen. Seit gut 20 Monaten lebe ich nun ohne eigenes Zuhause und feste Arbeitsstelle.

Ist der dauernde Wechsel von Wohnungen nicht wahnsinnig anstrengend? Wie organisierst du dich? Wie findest du Arbeit?

Dies sind die häufigsten Fragen, die mir Personen in meinem Umfeld zu meinem Lebensstil stellen. In diesem Beitrag gebe ich Einblick in meinen Alltag als moderne Nomadin.

Wohnen

Ohne eigene Wohnung übernachte ich hin und wieder in temporären möblierten Appartements oder bei meinen Eltern auf dem Land. Bei meiner Familie ist sozusagen mein Basislager. Die meisten meiner Möbel sowie meine Kleider und die wenigen persönlichen Besitztümer sind da zwischengelagert. Zwischen Wohnungswechseln kann ich da umpacken, ein paar Nächte verbringen und mich auf die nächste Station vorbereiten. Ohne dieses Zuhause wäre die Organisation und Ausführung meines Nomadenlebens komplizierter.

Das Angebot an temporären Wohnungen in Bern ist ziemlich gut. Ich finde immer wieder passende Unterkünfte. Im März und April konnte ich kostengünstig in der Wohnung einer 4-köpfigen Familie übernachten, die auf Reisen war. Ich goss ihre Pflanzen und leerte ihren Briefkasten.

Im Moment wohne ich bei einer Freundin in Bern, wo ich bis Anfang Juni bleiben kann. Wo ich den restlichen Juni verbringe, ist noch offen. Ab Juli werde ich in eine temporäre Wohnung ziehen, in der ich bereits im letzten Jahr ein paar Monate gelebt habe. Mittlerweile ist eine Art Mikro-Netzwerk entstanden, das ich bei Bedarf kontaktieren kann. Meistens ergeben sich die Unterkünfte eher kurzfristig, das muss ich aushalten können. Ich bin oft am Recherchieren und Organisieren und ja, manchmal komme ich deswegen nicht wirklich zur Ruhe. Die Wohnmöglichkeit bei meiner Familie nimmt mir einen gewissen Druck. Sie gibt mir Sicherheit, sollte ich keine Unterkunft in der gewünschten Zeit finden. Und obwohl die vielen Wohnungswechsel anstrengend sein können, mein eigenes Zuhause vermisse ich bis jetzt nicht.

Sybj Erdnuss - The Outdoor Enthusiast
Sybj Erdnuss - The Nomad

Arbeit

Bereits in jüngeren Jahren arbeitete ich öfters temporär. Die Jobs kamen und gingen, doch der Kontakt zum Stellenvermittlungsbüro von damals ist geblieben. Ein paar Wochen vor meiner Heimreise aus Mittelamerika kontaktierte ich das Büro und schickte meine aktuellen Unterlagen. So konnte das Büro schon vor meiner Rückkehr mit der Stellensuche loslegen. Das erste Vorstellungsgespräch hatte ich online in einem Hotelzimmer in Nicaragua. Eine Absage. Das zweite hatte ich wenige Tage nach meiner Ankunft in der Schweiz. Eine Zusage. Innerhalb von 7 Tagen nach meiner Rückkehr arbeitete ich wieder. Mit dem Wissen, jederzeit eine Arbeit zu finden und Geld zu verdienen, fällt es mir leichter keine Festanstellung einzugehen. Mit meinen Fähigkeiten im Office und Projekt Management bin ich jederzeit gefragt.

Seit Februar arbeite ich nun in dieser temporären Stelle in Bern. Da bleibe ich bis in den Herbst, damit ich meine Reise- und Vorsorgekasse auffüllen kann. Die Vorsorge - ein wichtiges Thema. Da ich kein regelmässiges Einkommen habe, ist eine Lücke in meiner Altersvorsorge quasi vorprogrammiert. Ich achte deshalb darauf, mein Geld nicht nur fürs Reisen auszugeben, sondern einen Teil für später auf die Seite zu legen. In Zukunft möchte ich auch von unterwegs im Ausland arbeiten, damit ich etwas regelmässiger verdiene und mehr reisen kann. Vielleicht liest du schon bald mehr über mein eigenes Angebot.

"Eine Nomadin ist eine Person, die umherwandert, sich örtlich nicht festlegt und nicht zur Ruhe kommt."

Sybj Erdnuss - City of Bern
Sybj Erdnuss - The Hiker at Gelmersee

Begegnungen

Nicht nur beim Reisen ergeben sich sympathische Begegnungen. Auch in den verschiedenen Arbeitsstellen treffe ich auf spannende Menschen. Durch die regelmässigen Wechsel lerne ich neue Sicht- und Denkweisen kennen und entdecke andere Branchen. Ich kann mich vernetzen und neue Freundschaften schliessen. Ich erhalte laufend Impulse, die mir helfen mich weiter zu entwickeln. Sei das auch nur ein Tipp für ein gutes Restaurant oder eine hilfreiche App. Und dann gibt es Begegnungen, die grössere Auswirkungen auf mein Leben haben. Manchmal ist ein freundschaftlicher Ratschlag oder eine wohlwollende Unterhaltung erst der Anfang. Verbindungen können auch über Distanz bestehen bleiben und vertieft werden. Mit den heutigen Kommunikationsmitteln ist vieles möglich.

Ich habe auf jeden Fall gelernt den Augenblick zu geniessen, denn manche Momente kommen nicht wieder. Manchmal muss ich Menschen ziehen lassen oder mich verabschieden, wenn es Zeit ist. Das fällt mir nicht immer leicht. Gleichzeitig lerne ich jedes Mal ein bisschen mehr dazu, was es heisst ein Leben im Hier und Jetzt zu führen.

Persönliches Fazit

Geplant war es nicht. Das Nomadenleben. Doch es gefällt mir. Sehr. Trotz den Herausforderungen, die es mit sich bringt, habe ich diese Entscheidungen nie bereut. Routine ist gut. Zu viel Routine engt mich ein. Ich mag Abwechslung und den Reiz des Unbekannten. Ich habe auf diese Weise die nötige Flexibilität Dinge auszuprobieren und sie weiterzuführen oder zu verwerfen. Ganz nach dem "Versuch & Irrtum"-Prinzip. Dieses Lebensmodell entspricht meinem freiheitsliebenden Charakter. Zur Ruhe komme ich durch Zeit draussen, beim Spazieren, Wandern, beim Schreiben, bei Treffen mit Freunden und Familie und beim Pläne schmieden. Für mich ist ein fester Wohnsitz keine Voraussetzung dafür. Mein Fazit: Ich mache weiter mit dem nomadischen Lebensmodell, solange es mich glücklich macht.

Sybj Erdnuss - The Traveler in Leon
Sybj Erdnuss - The Traveler in Nicaragua

Was kommt als nächstes?

Mein Plan ist es, im Herbst wieder nach Mittelamerika zu reisen. Ich mag die Lebenseinstellung der Menschen, die Landschaften und die Sprache. Da möchte verweilen, mir Zeit für Begegnungen nehmen, meine Sprachkenntnisse vertiefen und andere Kulturen entdecken.

Was magst du an deinem Lebensstil? Was eher nicht? Wo würdest du gerne etwas ändern? Wenn du Lust auf einen Austausch hast, dann melde dich bei mir oder verbinde dich mit mir auf Instagram, Facebook, Linkedin.